Die Stadt Pune kann zu recht als Autostadt Nr. 1 in Indien bezeichnet werden. Immerhin haben Firmen wie VW, Mercedes-Benz, General Motors, Land-Rover und Tata und auch zahlreiche Automobilzulieferer hier ihren Produktionsstandort.
Auch unser Konzern hatte vor nicht allzu langer Zeit ein nagelneues Werk unweit der Stadtgrenzen errichtet. Als Vertretung für einen Kollegen bekam ich den Auftrag, eine regelmäßig anstehende Projektstatuspräsentation vor dem Top Management im Werk vor Ort zu präsentieren. Somit stand mal wieder ein Inlandsflug und eine Übernachtung im Hotel an.
Von letzterem aus bot sich ein schöner Blick auf die Skyline der Stadt und auch mein Hotelzimmer konnte mit einem interessanten Gimmick aufwarten: Durch eine gläserne Badezimmerwand war es bequem möglich, die Bollywoodfilme im TV direkt aus der Badewanne heraus zu betrachten. Die Ausstattung der öffentlichen Hotel-WCs kann aber auch nur als fortschrittlich (besonders im Hinblick auf Gleichberechtigung) bezeichnet werden, wie das folgende Türschild an einer Herrentoilette eindrucksvoll beweist:
Am Dienstag war Ayudha Pooja das heisst, alle technischen Geräte, die zum täglichen Broterwerb dienlich sind, werden geheiligt. Die Fahrer schmücken ihre Wägen mit Blütenkränzen und Bananenblättern, in der Werkshalle wird ein Altar mit Räucherkerzen und Ganesh-Büste aufgebaut während ein Priester vor den versammelten Angestellten ein halbstündiges Ritual durchführt, bei dem er u.a. Kerzen schwenkt und mit Reis um sich wirft.
An den Computerarbeitsplätzen macht man es mittlerweile nicht mehr... denn angeblich wurden dabei in der Vergangenheit schon einige Tastaturen beschädigt. ;-)
Nach der Zeremonie erhielt jeder Mitarbeiter noch seine Portion Süßigkeiten. Das ganze hübsch verpackt in einer mit Reis-Popcorn gefüllten Plastiktüte... Einige der Gebäcke sind sogar ganz lecker, die meisten waren mir jedoch etwas zuuu süß.
Am vergangenen sonnigen Sonntag traf ich mich mit Stephan, der gerade sein Praktikum bei einer indischen Unternehmensberatung in Bangalore macht, im Cafe Max.
Das Café befindet sich auf der Dachterrasse des Goethe-Instituts und verwöhnt nach dem dort angebotenen Deutschunterricht mit gutem deutschen Essen wie z.B. Schnitzel mit Pommes, Bratwurst und Kartoffelsalat oder Marmor- und Streuselkuchen. Dass Inder als Fremdsprache gerne Deutsch lernen war mir ja noch von meiner Orientierungswoche her bekannt, als mich ein Inder an gleiche Stelle in fließendem akzentfreiem Deutsch begrüßte (Es stellte sich aber heraus, dass er längere Zeit in D studiert und gearbeitet hat)
Nach dem Schnitzel-Verzehr wollten wir uns eigentlich auch mal eine Universität aus der Nähe ansehen und sind auch zum Institute of Science gefahren, doch leider waren die Sicherheitsleute an der Pforte des komplett umzäunten Campus nicht zu überreden... schließlich war ja kein Besuchertag.
Weiter ging's zum Cubbon Park, der als Central Park von Bangalore ein Spaziergehparadies für viele Inder darstellt. Uns bis auf die benachbarten Regierungsgebäude aber nicht sonderlich beeindrucken konnte.
Also ging's weiter zur UB-City, was für Bangalore in etwa das ist, was für Berlin sein Potsdamer Platz. Nur, dass UB für United Breweries und damit für den Brauereikonzern steht, der mit seinem Kingfisher-Bier den ganzen Subkontinent versorgt. In den Wolkenkratzern finden sich Nobelgeschäfte, -restaurants und -apartments, die auf europäischem Preisniveau liegen.
Auf der Suche nach etwas bodenständigerem kehrten Stephan und ich schließlich im nahe gelegenen The Biere Club ein. In dieser bayrisch dekorierten Bar mit angeschlossener Hausbrauerei wurde gerade Oktoberfest gefeiert. Das nach deutschem Rezept gebraute Bier konnte mich geschmacklich durchaus überzeugen. So kam es, dass ich dort mein erstes Hefeweizen auf indischem Boden trank. Prosit India!
Dem Ruf des Kunden folgend ging es am Mittwoch auf Dienstreise in die nördlichen Provinzen, genauer gesagt ins ferne Hoshiarpur nahe der pakistanischen Grenze. Der Flug nach Delhi war ja schon nichts neues mehr, obwohl, wie ich finde, der Flughafen immer wieder einen Besuch wert ist. Die Empfangshalle mit den übergroßen Mudras an der Wand (den traditionellen indischen Handgesten) hat es mir irgendwie angetan.
Diesmal ging es weiter mit der Metro und zwar auf der erst Anfang des Jahres eröffneten neuen Airport-Express-Linie. Wenn man diese so wie ich zum ersten Mal betritt, staunt man nicht schlecht und fragt sich sehr wahrscheinlich, ob man wirklich noch in Indien ist. Bahnhöfe sowie Züge sind top modern, sauber, leise, gut klimatisiert und vor allem nicht überfüllt! Und an den Ticketschaltern wird sogar geordnet in Reihen angestanden!
Im Stadtzentrum angekommen ging es sogleich zum Autorikscha-Stand. Interessanterweise musste selbst Kollege Chavan als Einheimischer erst einmal tüchtig um den Fahrpreis feilschen. Für am Ende 50 Rupien (Anfangspreis 200!) brachte uns der Fahrer schließlich innerhalb einer Viertelstunde sicher durch das Verkehrsgetümmel zum bevorzugten Restaurant, wo wir uns vor der Weiterreise noch mit einem zünftigen Mittagessen stärkten.
Wieder zurück am Bahnhof durften wir immerhin noch eine Stunde bis zur Ankunft des Zuges im schwülen Klima eines überfüllten Warteraumes ausharren. Die anschließende 4,5-Stündige Zugfahrt im klimatisierten Großraumwagen war allerdings dann durchaus komfortabel. Im Bereich der Tische befanden sich sogar Laptop-Steckdosen! So ließ sich bequem noch ein 3,5-Stündiger Bollywoodstreifen anschauen, den mir ein Kollege mitgegeben hatte. Er hieß „Lagaan“ und ist hierzulande ein Klassiker. Er spielt in der britischen Besatzungszeit und erzählt erfrischend unkitschig über die Anfänge des Kricketspiels in Indien. Damit spricht er quasi aus der indischen Seele heraus und wird hierzulande sogar in Teambuilding-Seminaren gezeigt. Auf jeden Fall ein sehr zu empfehlender Film.
Service wird in indischen Zügen offenbar ziemlich groß geschrieben: Alle 15 Minuten wuselten Service-Inder mit allerlei warmen und kalten Speisen, Snacks und Getränken durch den Gang... und das Beste: Alles schon im (durchaus erschwinglichen) Fahrpreis inbegriffen. Davon sollte sich die deutsche Bahn mal eine Scheibe abschneiden!
Angekommen im 5-Sterne-Hotel in Jalandhar galt es dann nur noch das Carlsberg-Bier aus der Minibar zu befreien, auszutrinken und ins Bett zu fallen ...
Der Weg zum Kunden führte meine Kollegen und mich am nächsten Morgen über völlig überflutetet Straßen, während der Monsun weiter über uns wütete. Teilweise bangte ich bei jedem durchquerten Schlagloch, ob es nun dasjenige sein würde, in dem der Wagen endgültig absaufen würde... gottseidank blieb uns das aber erspart. Die meterhohen Wasserfontänen, die wir links und rechts von unserem Wagen erzeugten, waren jedoch wirklich beachtlich!
Auf dem Rückweg am Abend war von dem Unwetter kaum noch was zu erkennen. So gab es Gelegenheit die idyllisch grüne Landschaft und die Alleen mit ihren relativ gut intakten Asphaltstraßen zu bewundern. Zum Abendessen kehrten wir in ein traditionelles vegetarisches Punjabi-Restaurant ein, wo nicht nur das Ambiente und das Essen wie aus 1001 Nacht waren, sondern auch noch für musikalische Unterhaltung gesorgt wurde. Eine in bunten Trachten gekleidete Tanzgruppe führte die regionale Folklore auf. Es waren die typischen Punjabi-Melodien mit ihren energetischen, fast schon technomäßigen Rhythmen kombiniert mit den fröhlich jauchzenden Rufen der Tänzer, die mich in ihren Bann zogen. Nur zu Schade, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte. Das Dargebotene sah aber in etwa so aus..
Und weil ich diesen Musikstil wirklich witzig finde, hab ich quasi als Zugabe hier noch ein paar Stücke zusammengestellt. Viel Spaß dabei... ;-)
Dieses Wochenende war es an der Zeit, mal einen Ausflug ins Nachtleben von Bangalore zu unternehmen. Die Stadt kann, und das ist nicht unbedingt typisch für Indien, mit einer bunten Pub- & Barlandschaft aufwarten. Die Ausgehzeit beginnt hier schon so gegen 19 Uhr und ist aufgrund offizieller Vorgaben schon um 23 Uhr wieder vorbei (letzte Runde um 22.30 Uhr). Auch auf den Flyern vieler Clubs findet man diese Öffnungszeiten. Entsprechend zeitig ließ ich mich von meinem Fahrer Ramesh abholen, um zusammen mit Kumpel Kiran durch die nächtlichen Straßen zu cruisen, mit lauter Dance-House Musik im Anschlag versteht sich (siehe Video unten). Angekommen im Hard Rock Cafe gab es erst mal eine Runde Kingfisher. Nach dem Studieren der Menükarte viel mein Blick auf etwas Begehrliches… Einen Rinderfilet-Burger mit Pommes! Konnte das sein? Würden die das hier hinbekommen? Fünfzehn Minuten Später wusste ich die Antwort: JA! Es schmeckte wirklich köstlich, so wie man es auch aus Deutschland kennt! Es war die umgerechnet 7 EUR wirklich Wert.
Mit uns am Tisch gesellten sich ein paar indische IT-Absolventen (Teils mit Punjabi-Turban) dazu, die ihr Bestehen zünftig mit Bier und Whiskey feierten. Im Hintergrund spielten Rockklassiker von Nirvana, Limp Bizkit und Bryan Adams und spätestens bei der Showtanzeinklage einiger als Cowboys verkleideter Inder zum Stimmungsklassiker YMCA tobte der ganze Saal. Nachdem unsere Tischnachbarn genügend angeheitert waren, ermunterte ich sie einige indische Mädels, die mindestens in 3er-Gruppen auftraten, anzusprechen. Schließlich galt es ja der Zwangsheirat durch die Eltern zu entgehen ;-) Doch leider gab es für die Herren an diesem Abend nur Körbe und für mich die Erklärung, dass es sich hierzulande für eine Dame nicht gehöre, auf Anmachen in Bars zu reagieren. Dann wohl doch besser Zwangsheirat…
Hier noch ein kleines Musikvideo, das ich auf der Fahrt durch die Nacht gedreht habe...
Obwohl meine neuen Visitenkarten und
mein Firmenlaptop noch auf sich warten lassen, hieß es am Montag:
Auf zum ersten Kundenbesuch! Dazu nahm ich zusammen mit meinem
indischen Projektmanager Kannan und Kollegen Kiran den 17:20-Uhr-Flieger nach Delhi.
Nach zweieinhalbstündigem Flug und
anschließender halbstündiger Taxifahrt durch die schwüle Nacht der
Metropole (gegen 20 Uhr noch 35 °C und gefühlte 98%
Luftfeuchtigkeit!) stand erst einmal ein zünftiges Abendessen im
Hotel auf dem Programm. Bei mir bestand es hauptsächlich aus den
drei schmackhaften Zutaten: Tandori Chicken Tikka, Naan und
Kingfisher. So ließ es sich gleich viel besser in den Schlaf sinken,
der hier immerhin mit umgerechnet gut 80 EUR pro Nacht berechnet
wurde.
Am Morgen ging es dann schließlich zu
Maruti Suzuki, mit 52% Marktanteil in Indien ein durchaus wichtiger
Kunde für unsere Firma.
Um so motivierter gingen wir natürlich
auf die japanisch-indische Delegation bestehend aus Managern und
Entwicklern zu, um das neue Projekt an Land zu ziehen.
Nach dreistündigem Meeting ging man
dann zwar ohne konkretes Ergebnis auseinander, aber immerhin mit der
Aussicht auf ein weiteres Meeting. Entsprechend den indischen
Gepflogenheiten diente die Reise damit in erster Linie wohl dazu,
gegenseitiges Interesse zu bekunden und sich einfach ein bisschen zu
beschnuppern. Und obwohl man in indischen Businesshotels ganz
komfortabel untergebracht ist (siehe Bilder), war ich trotzdem froh,
noch am selben Abend kurz nach Mitternacht im eigenen Bettchen in
Bangalore schlafen zu können.
Gestern hatten wir im Büro Besuch von einem Kollegen aus China, der als kleines Begrüßungsgeschenk ein paar landestypische Snacks mitbrachte.
Darunter sowohl Hühnerfüße und Hühnerhälse in Aspik als auch Trockenfisch. Das ganze portions- gerecht und fein säuberlich in kleine Folienbeutelchen verpackt und natürlich mit kryptischen chinesischen Lettern bedruckt. Natürlich nahm ich mir gleich eine Handvoll für zu Hause mit.
Gerade eben habe ich die Mitbringsel (mit einiger Überwindung) ausgepackt und kleine Bissen probiert. Der Geschmack des Halses erinnert stark an Leberwurst, die gummiartige Haut um die Hühnerfüße ebenfalls, nur noch mit einer Nuance Schnittkäse kombiniert. Naja, gottseidank bin ich ja hier nicht in China, sondern in Indien und muss sowas nicht alle Tage essen.
Nach dem eigenartigen Geschmackserlebnis braucht mein Gaumen erst einmal etwas Vertrautes zum Nachspülen.
Und was wäre dafür besser geeignet als der gute heilige Saint-Orangensaft aus dem Tetra Pak. Da fühlt man sich doch gleich viel besser und reingewaschen von der sündigen Hühnerfledderei.
PS. Wer's noch nicht weiß: Wenn ihr auf die Bilder klickt, könnt ihr euch das ganze in groß anschauen.