Montag, 19. November 2012

Sri Lanka - Woche

Was gibt es besseres als Strandurlaub im November? Richtig, nicht viel und deshalb beschlossen Sandro, Kay, Daniel und ich einen Abstecher nach Sri Lanka zu machen.
Zunächst ging es nach Chennai, wo wir einen Stopover von 8 Stunden zu überbrücken hatten.

Also raus aus dem Flughafen und rein in die Stadt. Wir nahmen den Vorortzug in Richtung Stadtzentrum und stiegen bei einer nahegelegenen Einkaufsmeile aus. Dort gab es dichtes Gedränge und allerlei interessante Geschäfte.



Eins davon war vollgestopft mit Edelstahlgeschirr und –artikeln in allen Variationen.
 

 



Auf dem Rückweg zum Flughafen war der Zug schon deutlich voller und so fuhren wir eingequetscht wie in einer Sardinenbüchse weiter.













 Obwohl wir die Anweisungen am Airport befolgten und keine Drogen nahmen, sah der Flieger von Innen merkwürdig aus. Unter einem Fensterplatz hatte ich mir schließlich etwas anderes vorgestellt.

Nach der Ankunft am Abend waren wir doch etwas überrascht, denn so große Unterschiede zu Indien hatten wir gar nicht erwartet. Das Straßen waren sauber und in gutem Zustand, der Verkehr floss geordnet, ganz ohne Gehupe und man sah auch keine Kühe auf der Straße. Wie war das möglich?
Am nächsten Morgen ging es natürlich erst mal zum Hausstrand, keine 100 Meter von unserer Unterkunft in Habaraduwa entfernt. Das Meer war herrlich warm und die Sonne lachte.


 Als wir den Strand entlang liefen, gelangten wir zu einem weiteren Ferienhaus, welches mit einem ganz speziellen Shuttleservice aufwarten konnte: Dem "Deutsch-Express", einer funkelnden Rickshah in deutschem Design. Unter den Singhalesen scheinen allgemein viele Deutschlandfans zu sein. Viele sprechen Deutsch und waren auch schon mal in Deutschland. Einer unserer Tauchlehrer, die wir später kennenlernten, hatte sogar seinen Führerschein in Deutschland gemacht, um auf deutschen Autobahnen fahren zu können. Und das obwohl es natürlich viel teurer ist, als in seiner Heimat.
Um die nähere Umgebung zu erkunden, liehen wir uns Motorroller aus.
Dabei mussten wir uns etwas beeilen, denn regelmäßig am späten Nachmittag begann es monsunartig zu regnen. So manches Mal erwischte es uns und wir durften während der Fahrt ausgiebig duschen – immerhin ein warmer Sommerregen.

Daniel und ich verbrachten die meisten Vormittage in der Tauchschule von Unawatuna, um unsere nächste Qualifikationsstufe, den Advanced Open Water Diver, zu absolvieren. Dies sollte es uns u.a. erlauben, bis auf 30 Meter abzutauchen.

Das lohnte sich hier auch. Gab es doch in dieser Tiefe draußen in der Bucht ein paar schöne Wracks zu erkunden. Leider gab es keine Unterwasserkamera zum Ausleihen, sonst hätte ich an dieser Stelle gerne ein paar Bilder eingestellt.

 Am nächsten Morgen stand Kultur auf dem Programm und so düsten wir mit unseren Zweirädern die 15 km nach Galle. Wir fanden eine idyllische kleine Hafenstadt vor, deren Altstadt mit einer malerischen Uferpromenade mit Leuchtturm aufwarten konnte.










 
So wie es aussah, war gerade Schulschluss in einer nahe gelegenen Mädchenschule, weshalb wir plötzlich umringt wurden von hunderten Schülerinnen in ihren Uniformen (Kleid und Krawatte).



 Weiter ging es zur Besichtigung von ein paar Buddha-Tempeln, die man allenthalben am Straßenrand vorfinden konnte...
 


... bis auf den letzten, der befand sich noch im Bau und auf einem Berg, von dem man auch einen guten Blick über die gesamte Bucht von Unawatuna hatte. 




 







Dienstag, 23. Oktober 2012

Heiliges Varanasi

Ein verlängertes Wochenende eignet sich immer gut, um noch die Flecken zu erkunden, die noch weiß sind, auf der persönlichen Reiselandkarte. Varanasi gehörte für mich dazu. So entschloss ich mich, diese heiligste aller Städte am Ganges direkt auf eigene Faust zu erkunden.
Ich hatte schon gehört, dass es ein ziemlich verrückter und quirliger Ort sein sollte. Um trotzdem auch etwas Erholung zu haben, gönnte ich mir ein besseres Hotel nicht weit von der Innenstadt. Diese galt es auch gleich zu erkunden. 
Also nahm ich mir eine Ricksha und fuhr los.

Erster Halt war der Mother India Temple, in dessen Inneren ein gigantisches Marmorrelief des Landes zu sehen war.
Draußen vor der Tür reichte mir ein Schlangendompteur eine zweiköpfige Schlange. Der eine Kopf sei während der einen Jahreshälfte aktiv und der am gegenüberliegenden Ende während der anderen. Gut, wer's glaubt. Märchen hört man in Indien schließlich des öfteren.

Weiter ging es zum Durga Temple. Dieser ist knallrot angestrichen und von außen nett anzuschauen. Hinein wollte ich dann doch nicht. Zu lang waren mir die Schlangen der Anstehenden und auch die Hitze um die Mittagszeit war schier unerträglich. Um die Tempel fanden sich hier zahlreiche Bettler, meist Frauen mit ihren Kleinkindern. Auch wenn es deren wirklich viele, zu viele gibt, rührt es einem immer noch das Herz. Wie lang würden ihnen die paar Rupien reichen, die ich noch in der Tasche hatte...?
 
Nun war es Zeit, Mother Ganga zu sehen. Der Weg zum Fluss führte durch die belebten und engen Straßen und Gassen der Altstadt, in der zahlreiche Händler ihre Geschäfte hatten. Ohne meinen Guide, den mir mein Rickshafahrer organisiert hatte, wäre ich wohl noch eine weile umhergeirrt.

Schließlich kamen wir an der Main Ghat an. Die mächtige Treppe führte hinunter bis zum Fluss. Vor mir lag der breite Strom, um den sich in Indien viele Sagen drehen. Die Markierung an der Wand eines Hauses verriet, das gerade Niedrigwasser war. Eine Ruderbootfahrt auf dem Ganges gehört zum Standardprogramm eines jeden Varanasi-Besuchers. So ließ ich mich nicht lange überreden, mich eine gute Stunde lang, immer am Ufer entlang, auf abwärts rudern zu lassen.

Vom Wasser aus ließ sich das bunte Treiben auf den Treppen am Ufer (den so genannten Ghats) gut beobachten. Einige wuschen sich ihre Wäsche, badeten sich oder ihre Nutztiere, wieder andere verbrannten ihre verstorbenen Angehörigen auf Scheiterhaufen.

Die Einäscherung der Leichname geschieht zum einen in Krematorien, zum anderen unter freiem Himmel direkt am Flussufer. Die Ärmeren oder bei Unfällen getöteten werden in ersteren versorgt, während die Wohlhabenderen auf dem Hauptverbrennungsplatz landen. Eingeheizt wird mit dem Holz des Mangobaumes und für den besseren Geruch sorgt die Zugabe einer Portion Sandelholz. Etwa 200 Kilogramm Holz werden benötigt, damit nach ca. 48 Stunden alles verbrannt ist.


Die Asche kommt natürlich in den Fluss. Kinder und lieb gewonnene Haustiere werden im Ganzen versenkt. So kann es auch vorkommen, dass ab und zu ein Kadaver an einem vorüber treibt.

Am Hauptverbrennungsplatz gibt es ein ewiges (Lager-)Feuer, das für die vorgelagerten Scheiterhaufen als Zündquelle dient. Der Qualm war hier extrem dicht und beißend, daher liefen wir  schnell weiter durch die engen Gassen der Altstadt.



Diese waren zunächst gesäumt von Holz- und Tuchhändlern, später kamen auch Handarbeits- und Snackshops dazu.
Es kamen uns auch jene Träger entgegen, die auf ihren Bambustragen immer neue, in Tücher gehüllte Leichname hinunter zum Fluss trugen.
Am nächsten Tag fuhr ich ins nahe gelegene Sarnath. Im dortigen Wildpark soll der frisch erleuchtete Siddhartha Gautama im Jahre 589 v. Chr. seine erste Lehrrede gehalten und damit den Buddhismus begründet haben.
Heute steht an diesem Ort die Dhamek Stupa, ein zylinderförmiger Bau mit 28 Metern Durchmesser. Der damalige König Ashok ließ dieses Denkmal vor ca. 1500 Jahren bauen, nachdem er zum Buddhismus übergetreten war. Außerdem ließ er im ganzen Reich Säulen errichten, die seinen neuen Glauben verkünden sollten. Die bekannteste davon hat ein Kapitell mit vier Rücken an Rücken sitzenden Löwen, das schließlich auch ins indische Staatswappen übernommen wurde.


Als nächstes schaute ich mir auch einen japanischen Buddhatempel (Tera) an. Neben vielen weiteren ist dieser Zeuge einer lebhaften örtlichen Buddhisten-Community bestehend aus Thibetern, Chinesen und Japanern.





Am Nachmittag war noch etwas Zeit die Märkte zu erkunden, d.h. genauer gesagt zunächst einmal einen Blumenmarkt. Der karge Hinterhof wurde von den intensiven Farben der Blumen geradezu erleuchtet. Die meisten dieser Gebinde sind für religiöse Zwecke oder Hochzeiten bestimmt. Meist werden nur die Blüten verwendet und daraus Girlanden geflochten.


Weiter ging es in ein muslimisches Viertel, in dem sich eine Vielzahl kleiner Webereien angesiedelt hatte. Es handelte sich um Familienunternehmen, die u.a. Sarees, Schals und Decken besonders auch für den Export herstellten. Seide aus Varanasi hätte Tradition, sagte man mir.
 
Es dämmerte schon und am Flussufer versammelte man sich, um der allabendlichen Ganga-Aarti-Zeremonie beizuwohnen. Die Gassen der Altstadt waren nun proppevoll mit Menschen und die Polizei sperrte nach und nach die Zufahrtsstraßen für den Verkehr. Da mein Hotel zu weit entfernt für einen Fußmarsch war, sah ich zu, dass ich noch eine Ricksha dorthin zurück bekam. Die Fahrt war eine einzige Odysee durch lärmende und hell erleuchtete Gassen, aus denen überall exotische Gerüche und natürlich Schaaren von Menschen hervorquollen. Eine absolute Belastungsprobe für meine Sinne als auch meine Nerven! Es hatte sich also bestätigt: Varanasi kann mit Fug und Recht zu den quirligsten und verrücktesten Ort in Indien gezählt werden. Bevor ich am nächsten Morgen wieder meine Heimreise nach Bangaore antrat, gönnte ich mir erst einmal eine lange und erholsame Nacht...

Sonntag, 16. September 2012

Ab in den Süden


Wochenende - und immer die selbe Frage: Wo soll es hingehen?

Warum nicht mal bis zum südlichsten Punkt des Subkontinents nach Kanyakumari?


Also auf zum Nachtbus (Sleeper Coach) und ab ab in den Süden.

Dort am Kap Komorin treffen schliesslich der Indische Ozean, das Arabische Meer und der Golf von Bengalen zusammen.
Voll beladen bis aufs Dach (Wenn der normale Kofferraum voll ist, kommt der Rest der Fracht hier einfach aufs Dach) setzte sich unser Bus in Bewegung. Um trotz Schaukeln und Hupen einschlafen zu können, gönnte ich mir einen guten Schluck Whisky. 

Mit Erfolg, denn erst am Morgen wurde ich von den ersten Sonnenstrahlen über den Kardamom Mountains geweckt. Die Landschaft hatte sich verändert und auch an den Temperaturen merkte man schon, dass wir die gemäßigte Dekkan-Hochebene, auf der Bangalore liegt, hinter uns gelassen hatten.
Bei einem Zwischenstopp in Nagercoil war der Bus schon fast leer und auch unsere Fracht wurde hier vom Dach abgeladen.
Auf dem letzten Stück bis zum Ziel konnte man die Landschaft voll genießen. Berge und Palmenwälder wechselten sich mit Windrädern ab.
Der Busfahrer hielt kurz vor Kanyakumari und hieß uns auszusteigen. Die letzen zwei Kilometer bis in den Ort würde es mit zwei Rickshas weitergehen. Da mit uns noch eine Hand voll Inder im Bus waren, bedeutete das für uns, zu fünft eine Ricksha zu teilen – wahrhaft indische Verhältnisse ;-)

Die Aussicht von unserem Hotel aus entschädigte dafür mit einem direkten Blick auf's Meer.
Auch die Wahrzeichen der Stadt waren von hier aus gut zu sehen. Eine katholische Kirche ('Our lady of ransom church') in Neugotischem Stil mit ihrer weißen Fassade. Ebenso wie die beiden vorgelagerten Inseln mit ihren Gedenkstätten. Eine davon ist dem Hindu-Philosophen Vivekananda und die andere dem tamilischen Dichter Trivalluvar gewidmet.
Letzterem wurde zu diesem Zwecke eine 41 Meter hohe Statue errichtet. Das ganze wollten wir uns natürlich aus der Nähe ansehen und so ließen wir uns mit der Ricksha zum Hafen fahren.

Auf dem Weg erregte eine Gruppe junger Polizistinnen unsere Aufmerksamkeit, die, wie es schien, die kleine Bankfiliale bewachte.
Am Hafen angekommen, setzten wir mit der Fähre über. Es stellte sich heraus, dass diese Idee noch eine Vielzahl anderer Besucher hatte.
Und so gab es auf den kleinen Inseln neben viele interessante Menschen auch kreativ gestaltete Papierkörbe, die Monumente und natürlich die Ozeane zu bestaunen.












Über Mittag wurde es ganz schön heiß hier im Süden. Daher ging es im Anschluss an den Strand. Zum Baden lud der zwar nicht ein, aber immerhin bot sich die Gelegenheit für ein Nickerchen auf einem der Fischerboote.
Den Abend ließen wir gediegen bei ein paar Bier auf unserer Hotelterrasse ausklingen.

Am nächsten Tag stand dann nur noch ein Abstecher zur Kirche mit ihren 46 Meter hohen Kirchtürmen und zum Fischerhafen auf dem Programm.

Um zum wirklich süedlichsten Punkt des indischen Festlandes zu gelangen, mussten wir die Mole entlang laufen und hatten dafür von dort einen guten Blick auf das brandneue Atomkraftwerk in der Ferne.


Schließlich ging es zurüeck zum Bus in einer mit Blumen dekorierten Ricksha.

 Auf dem Rückweg nach Bangalore fuhren wir in den Sonnenuntergang...