Montag, 20. August 2012

Zwei Stunden bis ins Paradies

Es hat schon manchmal so seine Vorteile in Bangalore zu wohnen, denn von hier aus sind es nur zwei Flugstunden bis ins Paradies! Doch fangen wir von vorne an.
Es begann beim Studium der Karte und der Überlegung, wie man den anstehenden Feiertag (Independence Day) nutzen und in einen kleinen Kurzurlaub einbauen könnte. Und so kamen Daniel und ich auf die Idee mit den Malediven, von der dann auch Kollege Marc angetan war.
Von dem was man schließlich so hörte, solle es dort ja ganz schön sein, besonders zum Tauchen.
Also entschlossen wir uns auch noch kurzerhand, eine Tauchschule in Bangalore aufzusuchen (wie sich herausstellte die einzige auf dem indischen Festland) und einen Einsteigerkurs zu machen. Etwa zwei Wochen später hatten wir die Theorie und die „Trockenübungen“ im Pool hinter uns, die Flugtickets in der Tasche und waren startklar.


Schon von oben aus dem Flieger wirkten die winzigen Inseln im azurblauen Meer absolut idyllisch. Die einzige Landebahn auf der Insel des Male Airport reichte Gott sei Dank aus, um sicher zu landen. Rollbahnen sind aus Platzgründen gar nicht erst vorhanden, daher muss der Flieger nach der Landung um 180 Grad drehen und die Landebahn in der Mitte in Richtung Terminal verlassen.



Den ersten Tag verbrachten wir in der Hauptstadt Male. Auch hier ist der Platzmangel allgegenwärtig. So steht Hochhaus an Hochhaus z.T. nur durch enge Gassen getrennt, um die über 120.000 Einwohner der Stadt zu beherbergen. Selbst viele der Autos sind schmaler gebaut als man es gewohnt ist und beim Betreten des 15 m²-Doppelzimmers im Hotel stellte ich automatisch die Frage, ob wir auch wirklich, wie gebucht, eines der größeren Zimmer zugeteilt bekommen hatten.

Doch schließlich waren wir ja hier, um Strand und Meer zu genießen und davon gab es wirklich reichlich. Also erkundeten wir die Insel erst mal nur zu Fuß, was bei den kurzen Entfernungen bequem möglich ist.







Doch trotz der begrenzten Fläche scheinen die Malediver ihre Autos und Motorräder zu lieben, denn kurz nach Sonnenuntergang bildeten sich schnell Blechlawinen auf den Straßen. Ein jeder wollte offenbar schnell nach Hause zum Schlemmen. Es war schließlich Ramadan und wir in einem muslimischen Land. Bis dahin verbrachten viele ihre Zeit damit, sich auszuruhen oder Drachen steigen zu lassen.

Am nächsten Tag war es Zeit, uns auf zu unserem eigentlichen Ziel zu machen: Dem Bandos Island Resort. Der Transfer per Speed Boot ging flott vonstatten und so brauchten wir nicht lange zu warten, bis wir unsere Trauminsel betreten konnten. Eine ganze Insel nur für die Hotelanlage! Und die Bungalows keine 20 Meter vom Strand und dem badewannenwarmen, absolut klaren Meer entfernt - ein Traum!
 

 


Im Gegensatz zur Hauptinsel Male, wo nach islamischem Brauch Alkohol komplett verboten ist, gab es hier dergleichen nun keine Beschränkungen mehr: Die Hotelbars waren gut sortiert.
Grund genug sich erst einmal einen Cocktail zu leisten. 


Apropos leisten... Auf den Resort-Inseln ist fast alles etwas teurer. Für eine 1,5-Literflasche Wasser zahlt man z.B. 2,80 € und entsprechend kostete auch alles andere eine Kleinigkeit mehr.

In der Tauchschule vor Ort lernten wir die letzten Kniffe, die wir für das Tauchen im offenen Meer noch benötigten. Schon dabei konnten wir am Hausriff, nur ca. 30 Meter vom Strand entfernt, einen ersten Eindruck von der faszinierenden Unterwasserwelt gewinnen. Unsere erste Begegnung mit den Riffhaien flößte uns zunächst noch Respekt ein, sie waren schließlich in etwa so lang wie wir selbst. Bei unserem letzten Ausbildungstauchgang am Hausriff gehörten sie dann allerdings schon fast mit dazu.
Nach zwei Tagen schlossen wir unseren Open Water Diver erfolgreich ab und waren nun bereit, das Gelernte bei eigenen Tauchtrips ohne Ausbilder anzuwenden.

Und das taten wir auch sogleich: Am Morgen unseres vorletzten Tages auf Bandos bestiegen Daniel und ich das Tauchboot, das uns zu zwei beliebten Tauchplätzen bringen sollte. Unser Guide Hassan sprang mit seiner Schnorchel-Ausrüstung immer als erster ins Wasser, um die Strömung zu prüfen. Am ersten Riff, dem „Barracuda Giri“, war diese zu stark, weshalb wir weiterfuhren zum „Sunlight Thila“. Diese Entscheidung sollten wir nicht bereuen. Bevor's ins Wasser ging erklärte uns Hassan, dass hier eine gute Chance bestünde, Mantarochen zu sehen. So tauchten wir als erstes gleich mal auf den Grund in 17 Metern Tiefe ab. Bis auf den sandigen Meeresboden und ein paar Steinen gab es dort aber zunächst nichts zu sehen. Doch Hassan signalisierte, wir sollten uns auf den Boden kauern und abwarten.

Nach ein paar Minuten war es schließlich soweit. Von hinten näherte sich langsam der erste Manta. Faszinierend leicht und lautlos bewegte er sich durchs Wasser, seine ausgebreiteten Schwingen auf und ab schlagend, wie ein riesiger Vogel, nur in Zeitlupe, bis er schließlich direkt über mir war und uns keine zwei Meter mehr trennten.

Ein unbeschreiblicher Moment! Voller Respekt und Erstaunen harrte ich unter dem sanften Riesen aus und bemühte mich, meine Atmung unter Kontrolle zu halten. Mit ausgebreiteten Flossen kam dieses Exemplar sicherlich auf eine Spannweite von ca. 5 Metern. Er glitt weiter vorwärts, um dann ca. 20 Meter vor uns eine Kurve zu drehen und wieder auf uns zuzukommen. Nun konnte man seinen riesigen Kopf und sein Maul sehen, in das er sich mit Hilfe seiner Kopfflossen das umherschwimmende Kleingetier hinein schob. Wenig später gesellte sich noch ein zweiter Manta hinzu und drehte gemeinsam mit dem ersten über uns seine Runden. Sie schienen neugierig zu sein und kamen immer wieder bis auf wenige Meter an uns heran, um dann wieder umzudrehen. Das ganze wiederholte sich die nächste Viertelstunde, bis sie schließlich das Interesse verloren und zusammen weiterzogen. Mir kam das auch gelegen, denn mein Luftvorrat ging langsam zur Neige. Hassan bot mir zur Sicherheit an, mit von seiner Flasche zu atmen bis wir unseren Aufstieg beginnen konnten.

Zurück auf dem Boot wurde natürlich begeistert über das Erlebte diskutiert und so erfuhren wir von Tauchkumpane David, dass er so etwas in den 10 Jahren seines bisherigen Taucherlebens noch nicht erlebt hätte. Nach kurzer Verschnaufpause wurde schon unsere nächste Nitrox-Flasche aufgesattelt und ab ging es zu unserem zweiten Tauchspot, dem „Tuna Pass“. Hier tauchten wir zum größten Teil in geringerer Tiefe auf einem sehr schönen Riffrücken und konnten neben zahlreichen bunten Fischlein auch eine riesige Muräne sowie eine Wasserschildkröte beobachten, die unbeeindruckt von uns ihre Bahnen zog. 

Kurz vor dem Auftauchen ließ sich auch noch ein Napoleon-Fisch blicken. Damit waren unser Tauchtag und unser Urlaub perfekt. Wir kehrten glücklich und entspannt zur Insel und am nächsten Tag auch leider schon wieder nach Bangalore zurück. Doch dieses Inselparadies wird uns noch lange in Erinnerung bleiben.


Samstag, 14. Juli 2012

Rundreise durch Südindien


Endlich Urlaub! Endlich die Familie wiedersehen und das diesmal sogar hier in Indien!
Natürlich brauchten sie nach dem langen Flug und der Zeitumstellung erst einmal ein Nickerchen. Doch gleich im Anschluss ging es auf eine kleine Erkundungstour durch Bangalore. Ramesh navigierte sicher durch den chaotischen Verkehr, an den ich mich schon so gewöhnt habe. Es ging erst einmal zum Bangalore Palace, neben dem gerade anlässlich des deutsch-indischen Jahres eine Messe deutscher Unternehmen in Indien stattfand.
Natürlich gab es auch einen Biergarten, nur leider war das deutsche Erdinger-Bier noch nicht eingetroffen und so musste das gute alte Kingfisher als Ersatz herhalten. Im Anschluss legten wir noch einen kurzen Besichtigungsstopp in der UB City ein, bevor es zum Abendessen ins Barbeque Nation ging.
Dort kann man seine Minispieße überm Holzkohlegrill direkt am Tisch grillen. Bis auf wenige Ausnahmen kamen meine Gäste auch ganz gut mit der Schärfe zurecht.

Am nächsten Tag stand schon der erste Inlandsflug nach Cochin an. In der Stadt mit ihren portugiesischen Wurzeln fielen uns sofort die vielen Marmorhändler auf, die ihre Ware in allen Farben anboten.
Unser Hotel lag im Viertel Fort Cochin, welches uns mit seinen engen, im Kolonialstil gehaltenen Gassen, den chinesischen Fischernetzen sowie den Gewürz- und Antiquitätenhändlern beeindrucken konnte.










Am nächsten Tag ging es weiter nach Aleppey zur Hausbootfahrt auf den Backwaters. Dieses System aus künstlich angelegten Wasserstraßen schlängelt sich zwischen den satt-grünen Reisfeldern und Palmen bis ins Hinterland von Kerala.
An Bord sorgte die dreiköpfige Crew für unser leibliches Wohl. Besonders unser Koch verstand es, aus seiner Kombüse gar köstliche Speisen zu zaubern. So ließ es sich prima relaxen, während fast lautlos die Landschaft an uns vorüber zog. Das Leben in den Backwaters findet auf und neben dem Wasser statt: Lastkäne, Fähren, direkt am Ufer befindliche Kirchen, Farmen und Schulen prägten das Bild. Letzterer mussten wir schon deshalb einen Besuch abstatten, weil meine Mutter als Lehrerin die Bedingungen vor Ort sehr interessierten. Nach einer Nacht auf dem Boot setzten wir unsere Reise nach Munnar fort.
Die Landschaft dort ist durch und durch vom Teeanbau geprägt. Die üppig grünen Teeplantagen ziehen sich die Berge der Westghats hinauf und sind eine wahre Augenweide. Von der Staumauer des Mattupetty-Dammes konnten wir aus der Ferne sogar eine kleine Familie wildlebender Elefanten erspähen. Tags darauf auf unserem Weg nach Thekkady trafen wir dann auf einen dressierten Dickhäuter bei der Arbeit.

Er wurde dazu eingesetzt, Baumstämme einen Hügel hinaufzuziehen, was ihm spielend leicht von der Hand (bzw. vom Rüssel) zu gehen schien.

Im Elefanten-Camp in Thekkady konnten wir schließlich auf einem seiner Artgenossen reiten und Tom nahm sogar ein Bad zusammen mit seinem Jumbo.


Weiter ging es nach Madurai, einer der ältesten Städte Südindiens. Am nächsten Morgen standen die Besichtigung des Palastes und des Minakshi-Tempel auf dem Programm. Dort begegnete uns wieder ein Elefant, der gegen einen kleinen Obolus an seinen Besitzer, einem zur Segnung den Rüssel aufs Haupt legte. Es war ein merkwürdiges aber nicht unangenehmes Gefühl dieses schwere fleischige Ding auf dem Kopf zu haben, besonders als er dadurch noch ausatmete und uns damit quasi föhnte.

Auch in Thanjavur gab es einen schönen Tempel zu bestaunen. Der Brihadisvara-Tempel ist UNESCO-Weltkulturerbe und wie es für  Wochenende in Tempeln üblich ist, herrschte auch hier ein reges Treiben. Schließlich wurde auch die riesige Nandi-Statue mit allerlei Opfergaben geweiht.

 Die Stadt ist außerdem bekannt für sein Bronzegießerhandwerk und so stand neben dem Besuch einer Galerie natürlich auch der Besuch bei einer traditionellen Bronzegießerfamilie auf dem Programm.


Den Rest des Tages verbrachten wir im Auto auf dem Weg nach Pondicherry. Die vielen Eindrücke, die wir unterwegs sammeln konnten, lassen sich an dieser Stelle nur schwer beschreiben. Auf der Fahrt durch einige Dörfer gerieten wir z.B. in so manchen Stau, meist weil gerade eine Prozession im Gange und damit die Straße blockiert war. Das ganze wurde oft von lautem Getrommel begleitet, zu dem sich viele der Umzugsteilnehmer in Ekstase tanzten.


In Pondicherry, der französischen Koloniestadt, unternahmen wir einen Spaziergang entlang der Uferpromenade und durch das Französische Viertel mit seiner gut erhaltenen Kolonialarchitektur. Auch ein Streifzug durch das Gewusel der großen Bauernmärkte durfte nicht fehlen.
Als europäischer Reisender in Indien ruft man bei den Einheimischen oft Staunen und Neugier hervor, die auch offen gezeigt wird. Das war mir zwar nicht mehr neu, doch auch ich war überrascht, als mir in einer Haupteinkaufsstraße dieser Stadt eine Inderin begegnete, die plötzlich vor mir auf die Knie fiel, um meine Füße zu küssen und mich wie einen Heiligen anzubeten.
Bevor wir unsere weitere Fahrt die Ostküste hinauf fortsetzten, machten wir noch einen kleinen Abstecher ins nahe gelegene Dorf Auroville. Dieses Projekt hauptsächlich westlicher Aussteiger und Spiritueller verfolgt das Ziel, neue Formen des Zusammenlebens und des Umgangs mit der Umwelt aus ganzheitlicher Sicht zu erforschen. Die Gemeinde ist in einem wunderschön angelegten und sehr gepflegten Park gelegen, herausstechendes Zentrum bildet ein kugelrunder Kuppelbau, in dem sich ein Meditationszentrum befindet. Dieses kann man als Besucher zwar nicht betreten, doch eignet sich dieses Fotomotiv hervorragend für allerlei kleiner Späßchen. ;-)
Die Strapazen der bisherigen Reise waren schnell vergessen, als wir in unserem Resort in Mamallapuram ankamen. Die sehr schön gestaltete Anlage mit direktem Zugang zum Privatstrand und seinem üppigen Pool luden ein, länger zu bleiben.
Nicht weit vom Hotel gab es eine interessante Tempelanlage aus dem 7. Jahrhundert zu entdecken. Dort befinden sich beeindruckende monolithische Tempel (die „Fünf Rathas“) und Höhlen, d.h. diese wurden aus einem einzigen großen Fels heraus gemeißelt. Der nahe gelegene Küsten-Tempel wurde wiederum herkömmlich gebaut und faszinierte dennoch in der Abenddämmerung - ebenso wie der „Butterball Krishnas“. Wie man sieht, versuchte ich, diesen kugeligen Fels den Hang runterzurollen. Leider vergeblich.












In Chennai bestiegen wir am nächsten Tag den Flieger nach Port Blair auf den Andamanen. Diese zu Indien gehörende Inselgruppe ist touristisch noch nicht sonderlich erschlossen. So kann man an noch relativ unberührten Stränden baden, schnorcheln und tauchen - vorausgesetzt man achtet auf die Krokodile.

Am nächsten Morgen nahmen wir die Fähre nach Havelock, einer der beliebtesten Urlaubsinseln der Region. Palmen, Sonne, und traumhafte menschenleere Stände empfingen uns - einfach paradiesisch. Mit den von uns gemieteten Motorollern ließ sich bequem die komplette Insel erkunden.
Nach ein paar faulen Tagen am Strand, beim Schnorcheln und beim (erfolgreichen) Angeln war es an der Zeit nach Bangalore zurückzukehren.






Von dort aus unternahmen wir tags darauf einen Abstecher nach Krishnagiri, wo uns Arbeitskollege Sunder in die von seinem Bruder geleitete Schule einlud. In einer eher ländlichen Gegend gelegen, beherbergt die Privatschule alle Klassen von der Vorschule bis zur Oberstufe und schon die Jüngsten lernen drei Sprachen parallel (Tamil, Hindi und Englisch). Auch staunten wir über die moderne Ausstattung der Klassenräume.

 Fast alle sind mit internetfähigen Multimedia-Tafeln ausgestattet, auf denen die Lehrerinnen interaktive Lernprogramme aufrufen können. Alle Kids besitzen darüber hinaus Chipkarten, mit denen sie an einer elektronischen Stechuhr bei Ankunft oder Verlassen des Schulgeländes ein- bzw. ausstempeln, ganz wie in einer richtigen Firma. Die Eltern werden daraufhin sofort per SMS benachrichtigt.

Am letzten Tag unseres
gemeinsamen Urlaubs machten wir noch einen Ausflug nach Mysore. Der dortige Maharaja-Tempel beeindruckte mit seiner opulenten Pracht außen wie innen. Leider ist das Fotografieren drinnen nicht gestattet, weshalb sich jeder der das jetzt hier liest selbst ein Eindruck davon verschaffen sollte. Ein weiteres Highlight ist, dass der Palast jeden Sonntagabend und jeden zweiten Samstag von über 80.000 Glühbirnen hell erleuchtet wird.