Montag, 12. März 2012

Die Kinder von Ananya


Ananya ist eine Ganztagsschule für sozial benachteiligte Kinder am Rande von Bangalore, die sich allein über Spenden finanziert. Die meisten Kinder kommen aus sehr armen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Es sind Kinder von Gemüsehändlern, Blumenverkäufern, Hauspersonal, Bauarbeitern, Kleinhändlern, Zimmerleuten und Wachmännern. Die Mehrheit der Kinder gehört zu einer Generation, die zum ersten Mal überhaupt eine Schule besucht. Ihre Eltern, selbst meist Analphabeten, verdienen im Schnitt nur etwa 2.000 Rupien pro Monat (knapp 30 EUR) und leben in provisorischen Häusern bzw. kleinen Hütten ohne sanitäre Einrichtungen oder Strom und Wasser.

Auf dieses Projekt aufmerksam machte uns Silvia, eine deutsche Abiturientin in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr, die Daniel bei der Ausländermeldebehörde kennengelernt hatte.
Am Sonntag wurde anlässlich des 14. Jahrestages der Einrichtung ein kleines Fest gegeben, zu dem wir neben den Eltern und weiteren Gästen eingeladen waren. Silvi hatte sich zur Feier des Tages extra einen grünen Sari zugelegt.

Auf dem wunderschön angelegten Campus unter Palmen konnten wir die Klassenräume und Wohnhütten der Kids anschauen. Zwischen den Bäumen hatten sie an Wäscheleinen eine ganze Reihe von Wandzeitungen aufgehängt, um stolz ihr bereits gelerntes Wissen zu präsentierten.
Neben Sprachen, Naturwissenschaften und Mathematik lernen die Kinder hier auch den Umgang mit dem Computer und treiben zusammen in der Gruppe Sport. Einige trainieren sogar für die Teilnahme an einen Halbmarathon.

Als Highlight des Tages gab es eine Theateraufführung, die die Kinder einstudiert hatten. Gezeigt wurden „Der Zauberer von Oz“ und ein weiteres, einheimisches Märchen. Es war wirklich rührend zu sehen, wie die Kinder voll und ganz in ihren Rollen aufgingen und diese ausdrucksstark und in flüssigem Englisch vortrugen. Auch die mit viel Liebe zum Detail selbstgebastelten Kostüme verdienten unsere volle Anerkennung.



Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Bazar, bei dem die Kinder ihre liebevoll selbstgebastelten Handarbeiten verkauften. Natürlich haben Daniel und ich uns auch ein paar schöne Stücke ausgesucht.

An dieser Stelle möchte ich Silvia für diese Einblicke danken und den Kindern von Ananya alles Gute für die Zukunft wünschen. Wen es interessiert, der kann auch auf der Internetseite des Projektes vorbeischauen:

http://ananyaposts.blogspot.in

Freitag, 9. März 2012

Holi-Fest in Hosur


Der Beginn des Sommers wird in Indien traditionell mit einer Reihe von Festen gefeiert, so auch das Holi Festival, bei dem man sich mit bunten Farbpulvern bewirft bzw. sie sich ins Gesicht schmiert.

Dieses Spektakel wollten sich Daniel, Alexander und ich gestern mal von der Nähe anschauen und so gingen wir abends nach der Arbeit auf das Festgelände unterhalb des Tempels von Hosur. 
Wie wir jedoch vorher noch erfuhren, war das Farbwerfen wohl schon vorbei, da es, wenn überhaupt, nur vormittags veranstaltet werden würde. Es sei in Nordindien wohl verbreiteter.  
Nichts desto trotz begaben wir uns ins Getümmel. Hinein in eine ausgelassene Menschenmenge, die sich durch die Straßen schob, vorbei an Fahrgeschäften, fliegenden Händlern, Gauklern und Sadhus. Ein besonderer Vertreter davon geißelte sich selbst, indem er sich Metallhaken durch die Haut seines missgebildeten Rückens gejagt hatte, um daran befestigt ein bunt geschmücktes Wägelchen hinter sich herzuziehen.
Diese Menschen sind tief religiös und haben ihr Schicksal selbst so gewählt, leben sie doch ausschließlich von den Spenden ihrer Mitmenschen. Doch diese sind von deren religiöser Hingabe oft inspiriert und geben gern etwas.
Aber auch Daniel ließ sich segnen, indem er sich von einem Elefanten den Rüssel auf den Kopf legen ließ und dem Besitzer dafür einen kleinen Obolus entrichtete.
Wir gingen weiter auf die Türme zu, die wir von weitem aus der Menge ragen sahen und wunderten uns, dass sie sich langsam bewegten. Hier hatten wir es mit hölzernen Türmen auf Rädern zu tun, in deren Inneren Menschen umherkletterten und ab und zu Bananen in die Menge warfen. Es handelte sich quasi um mobile Tempel (so genannte Raths).

Um der dichten und lautstarken Menge zu entkommen, in der einige permanent auf Tröten herumbliesen, erklommen wir den Tempelberg. Dabei konnten wir noch weitere Bettler beobachten, die irgendwo auf dem Gehweg lagen oder saßen. 
Auch wenn diese Bilder einige ungeübte westliche Augen schockieren mögen, so gehören sie nun einmal zum indischen Straßenbild und zur Gesellschaft. 

Kurz nach Anbruch der Dunkelheit beschlossen wir wieder hinabzusteigen und konnten uns nach einem kurzen Irrweg wieder zu unserem Wagen durchschlagen und den Heimweg antreten.

Dienstag, 7. Februar 2012

Shivanasamudra, Talakad, Somanathapura


Unser letzter Sonntagsausflug ins Grüne führte uns Richtung Mysore zu den Wasserfällen bei Shivanasamudra und den Tempeln von Talakad und Somanathapura. Neben Daniel war diesmal auch Regina mit von der Partie, die gerade ihr zweimonatiges Traineeprogramm bei einer großen deutschen Fensterfirma in Bangalore absolviert. 
Um die geplante Tagesetappe von 320 km zu schaffen, mussten wir schon früh aufbrechen. So konnten wir aber wenigsten bei einem Stopp unterwegs den Affen beim Frühstücken zusehen und auch die Menschen waren gerade dabei sich ein schmackhaftes Mal zuzubereiten: Ziegenköpfe.

Durch die Idylle von Zuckerrohr- und Reisfeldern hindurch ging es über ein paar Brücken weiter zum Wasserfall. 

Aufgrund der Jahreszeit führte dieser zwar nur wenig Wasser, was die Inder dennoch nicht davon abhalten konnte, darunter zu duschen bzw. ein ausgiebiges Bad zu nehmen. Oder man unternahm einfach nur eine Bootsfahrt in den bereits aus Hogenakkal bekannten runden Booten.
An einem Stand am Straßenrand organisierte uns unser Fahrer Nanjunda frisch geschnittene Melonenscheiben, die, wie sich bald herausstellte, mit einer Salz-Pfeffermischung nachgewürzt waren. 
Diese offenbar landestypische Art der Zubereitung sagte uns jedoch nur bedingt zu und so wunderte sich die Standbesitzerin, dass wir nach erstem Probieren weitere Stücke nur in ungewürztem Zustand nachorderten.
Aber am Straßenrand gab es noch weitere Kuriositäten zu beobachten.
So fuhren wir an einer weißen Mauer vorbei, die hübsch angestrichen ganz allein auf weiter Flur stand und konnten anschließend aus nächster Nähe bereits einen Blick auf den noch streng geheimen Erlkönig eines neuen Busmodells von Mercedes-Benz erhaschen. Dessen Konturen waren natürlich gut kaschiert durch farbenprächtige indische Ornamente. Aber auch im Zweiradbereich konnten uns die neuen geräumigen indischen Mopedmodelle überzeugen, die spielend mit allerlei Transportaufgaben fertig wurden.













Weiter ging es zu den Tempeln in Talakad, die einst schon mal in Sanddünen versunken waren, bevor man sie wieder freilegte. 
Heute werden sie durch Betonwände vor der Wieder-verschüttung bewahrt und sind von Eukalyptus-bäumen umsäumt. Und obwohl diese etwas Schatten spendeten, machte mich die Hitze doch etwas durstig. Deshalb genehmigte ich mir erst mal eine frische Kokosnuss, um deren lauwarmen Saft zu schlürfen.
Doch dessen erfrischende Wirkung war leider nur sehr begrenzt und so legten wir auf dem weiteren Weg nach Somanathapura noch eine kleine Pause ein, um uns in einem Dorf noch ein schönes kühles Kingfisher zu holen.
Am Straßenrand konnten wir Arbeiter dabei beobachten, wie sie riesige Metallpfannen fertigten. Diese werden vermutlich zum Kochen von Zuckerrohrsaft bzw. Melasse genutzt, aus der dann später der beliebte indische Whiskey gebrannt wird. Das konnten mir die Arbeiter in Ermangelung ihrer Englischkenntnisse leider nicht so gut erklären, aber wozu hat man schließlich Wikipedia ;-)
Der Typ links im Bild war jedenfalls cool drauf und trug, wie man sieht, beim Schweißen einfach eine Sonnenbrille. 

Auf den Hirsefeldern der Gegend konnte man Grabmale begutachten, die sich offenbar einige der Großgrundbesitzer leisteten. 

Schließlich erreichten wir die letzte Etappe unserer Tour, den Chennakesava Temple von Somanathapura. Dieser erfreute sicherlich nicht nur uns mit seinen detailreichen Steinschnitzereien im Außen- und Innenbereich, sondern auch die drumherum spazierenden Hindus.



Dienstag, 31. Januar 2012

Brahmanenhochzeit


Nach unserem Sonntagnachmittag im Spiga, an dem Kay sein DJ-Können unter Beweis stellte, machten wir uns gegen Abend auf den Weg zu einer weiteren indischen Hochzeit. Diesmal stand Kollege Srivatsan vor dem Altar, um seine Frau Mythraeyi zu ehelichen.
Neben Daniel nahm noch dessen deutscher Teamleiter Frank und seine Freundin Veronique teil, die gerade Urlaub in Indien machten.
Da es sich um eine Heirat innerhalb der Brahmanen- bzw. Priester-Kaste handelte,  erwartete  uns eine sehr traditionelle Zeremonie. Diese wurde in einem Nebenraum des ISKCON-Tempels in Bangalore abgehalten.
Es begann mit der so genannten Reception, also dem Empfang der Gäste und deren Geschenke.
Die Braut präsentierte sich in einem lila-blau-türkisfarbenem Sari, der Bräutigam im klassischen anthrazitfarbenen Hochzeitsanzug.
Hauptsächlich standen an dem Tag Gruppenfotos auf dem Programm, die auf der Bühne des Raumes geknipst wurden, bis auch jeder der ca. 600 Gäste zusammen mit dem Brautpaar abgelichtet war. Die anwesenden Damen trugen farbenprächtige Saris und die Herren dem Anlass entsprechend eines ihrer besseren Hemden kombiniert mit Stoffhose oder Jeans und Sandalen. Begleitet wurde das ganze vom traditionellen Geflöte und Getrommel einer Live-Band.
Vom üppigen Buffet gab es allerlei vegetarische Köstlichkeiten (u.a. Salat, Suppe, Eiscreme, Süßigkeiten und Pan).
Am nächsten Morgen war Muhurtham, also der astrologisch berechnete, günstigste Zeitpunkt für die eigentliche Eheschließung durch die anwesenden Priester. Eine Reihe von Prozeduren sollte folgen, die offensichtlich ganz im Zeichen überlieferter Traditionen standen. Dabei waren die Männer nun mit nacktem Oberkörper unterwegs und nur mit Dhotis bekleidet, den traditionellen indischen Beinkleidern bestehend nur aus jeweils einem einzigen geschickt gewickelten Tuch. Dazu trug der Bräutigam noch eine Blumengirlande um den Hals.
Das Prozedere begann damit, dass der Bräutigam mit einem Jungen zusammen ein Frühstuck von einem Bananenblatt einnahm. Symbolisch gibt damit der Bräutigam seinen Junggesellenstatus ab und reicht ihn an den Jungen weiter, der dadurch vom Kindesalter ins Jugendlichenalter wechselt. 
Anschließend ließ sich die Braut kurz sehen und fotografieren. Worauf der Bräutigam symbolisch den Schirm nahm und vor das Gebäude eilte, quasi aus Panik vor der bevorstehenden Hochzeit. Draußen musste dann der Vater der Braut den Bräutigam überzeugen, dass seine Tochter doch eine gute Partie wäre. 
Das Zerwürfnis wurde anschließend auch schauspielerisch dargestellt beim so genannten Jai Mala. Die Brautleute, jeweils auf den Schultern von Freunden getragen, versuchten sich gegenseitig ‚anzugreifen‘ und dabei bunt geflochtene Blumengirlanden (Mala) um den Hals zu werfen, während der jeweils andere versuchte, das zu verhindern, indem er sich weit zurück lehnte.
Schließlich wurde man sich doch einig und schritt zur Hochzeitsschaukel (Oonchal), auf der man sich kurz niederließ um hin und her zu schwingen. Die Ketten der Schaukel symbolisieren dabei die Einheit mit dem Allmächtigen und das Hin- und Herschaukeln die Wogen des Lebens, die beide meistern sollen. Doch schon kurz darauf hieß es wieder aufstehen um von den anwesenden reiferen Damen die Füße mit Milch gewaschen (Vara Puja) und ein paar Schüsseln in kreisenden Bewegungen vorgehalten zu bekommen (Aarti). Das ganze begleitet von deren einlullendem Gesang (Laali). 

Anschließend nahmen die beiden nebeneinander unterm Baldachin auf der Bühne an einer Feuerstelle Platz, auf der nun allerlei Zweige und Kräuter verbrannt wurden.
Die Braut setzte sich schließlich auf den Schoß ihres Vaters, um als Geschenk dem Bräutigam angeboten zu werden (Kanya Dhaanam).
Dieser band schließlich goldene Fäden (Mangala Sutra) um ihren Hals, während dessen die Trommeln der Band laut ertönten und Reis geworfen wurde. 
Anschließend saß man noch händchenhaltend (Paani Grahanam) an der Feuerstelle, bevor man sieben Schritte gemeinsam um sie herum lief (Saptha padhi), um für sieben Leben lang vereint zu bleiben. Von dort an waren sie nun wirklich, auch im rechtlichen Sinne, verheiratet. 
Wieder am Feuer sitzend wurde dieses nun richtig angefacht, in dem man u.a. die Zweige von neun verschiedenen Bäumen verbrannte (Pradhaana Homam). 
Damit huldigte man dem Feuergott Agni und erzeugte eine Menge Qualm, der auf das Brautpaar einen heilenden und reinigenden Einfluss haben sollte.
Die ganze Zeremonie ging bis zum Mittagessen, das auf einem Bananenblatt serviert wurde wirklich schmackhaft und auch üppig war.


Montag, 23. Januar 2012

The Bangalore Beef BBQ


Am Samstag war es höchste Zeit die Grill-Saison hier in Bangalore zu eröffnen. Dazu erstand ich kurzerhand einen Smokey Joe und informierte sofort Sandro, Daniel und Evi & Kay.
Als Austragungsort bot sich  der Vorgarten von Sandros Stadtrandvilla an, die er eh in kürze aufgeben musste, um seine Rückkehr nach Deutschland anzutreten. Da zum Grillen nicht nur gutes Rindfleisch, sondern auch gutes Bier gehört, fiel die Wahl unseres Gastgebers klugerweise auf die beliebten Marken Premium und Blue von Kingfisher. 
Nicht nur, dass wir dessen milden Lager-Geschmack und seinen 8%igen Wirkungsgehalt besonders zu schätzen wussten, erfreute es doch auch das Auge mit seinem goldenen Schein in der Grillflamme. 
In Sachen Fleisch ließen wir uns nicht lumpen und so orderten Evi & Kay die Rinderfiletstücke in einem Restaurant ihres Vertrauens. Nach einem Abstecher zum Spar-Markt, konnten wir noch weitere Zutaten für unsere Beef-Burger erstehen, die Suche nach Grillanzünder blieb jedoch erfolglos.  So musste Grillmaster Daniel unter Zuhilfenahme von Zeitung und Holz von einer nahegelegenen Baustelle etwas improvisieren, um das Feuer zu entfachen. Für die heißen Beats sorgte der von uns eigens eingeflogene DJ Kay Piranha mit seiner erlesenen Auswahl an elektro-akustischen Hörkonserven. Nach dem gemeinsamen Verzehr des gut durchgebrutzelten Grillgutes, bot sich etwas körperliche Ertüchtigung an. 
Sandro und Kay machten den Anfang mit zünftigem Abrocken zu beliebten Rockklassikern, bevor wir dann alle gemeinsam dazu übergingen, in den weitläufigen Fluren des Anwesens Fangeball zu spielen.  
Dass man dabei ist, eine anständige Party zu feiern, weiß man aber natürlich erst, wenn man es von Dritten bestätigt bekommt. Diesen Part übernahm freundlicherweise ein bewaffneter Security-Mann, der sich sogar noch zu fortgeschrittener Stunde an der Haustüre vorstellte und um eine gedämpftere Lautstärke bat. 
Um auch noch die letzten Überreste des geheiligen Beef zu vertilgen, gab es am nächsten Tag gleich noch eine Grill-Session auf meinem Balkon. Auch diesmal waren der Kreativität für das Entzünden der Holzkohlebriketts keine Grenzen gesetzt. Leider erwies sich die Idee mit dem Pooja-Öl und dem Gasherd als nicht so geeignet, um den Grill auf Temperatur zu bringen und so musste am Ende doch noch die gute alte Bratpfanne herhalten.